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Multiples MyelomErste Daten zur In-vivo-CAR-T-Zelltherapie KLN-1010

19.01.2026Ausgabe 1/20263min. Lesedauer

Vorläufige Ergebnisse von den ersten vier Patientinnen und Patienten, die in der Phase-I-Studie inMMyCAR mit KLN-1010 behandelt wurden, zeigen eine vielversprechende klinische Aktivität der Therapie bei zugleich beherrschbarer Toxizität.

Beim MM wurden in den vergangenen Jahren mit immuntherapeutischen Behandlungsansätzen bemerkenswerte Behandlungserfolge erzielt, insbesondere mit solchen Therapien, die sich gegen das auf der Oberfläche der Myelomzellen im Übermaß exprimierte B-Cell Maturated Antigen (BCMA) richten. Adressiert werden kann BCMA u. a. mit CAR-T-Zell-Therapien.

Bislang müssen für eine CAR-T-Zelltherapie zunächst T-Zellen aus dem Blut der Erkrankten entnommen, im Labor gentechnisch umprogrammiert und anschließend daran der Patientin oder dem Patienten zurückinfundiert werden.

CAR-T-Zellen direkt im Körper produzieren

Anders ist dies bei der neuen In-vivo-CAR-T-Zelltherapie mit KLN-1010. Der modifizierte lentivirale Vektor, der das gegen BCMA gerichtet CAR-Konstrukt enthält, wird den am MM Erkrankten einmalig injiziert und stattet die körpereigenen T-Zellen im Organismus selbst mit dem CAR-Rezeptor aus. Nach Expansion und Ausdifferenzierung können die T-Zellen die Tumorzellen erkennen und zerstören. Die Aufnahme des Vektors in die Zellen erfolgt spezifisch über ein an der Virusoberfläche angebrachtes Einzelkettenfragment gegen den T-Zell-Rezeptor CD3, wodurch die T-Zell-Modifikation zielgerichtet ausgelöst wird.

Der große Vorteil der In-vivo-CAR-T-Zelltherapie liegt darin, dass keine Leukapherese und keine Ex-vivo-Expansion der T-Zellen erforderlich ist. Auch eine lymphodepletierende Konditionierung vor Therapiebeginn ist nicht erforderlich, was die Logistik vereinfacht und die Therapiekosten reduziert.

Beeindruckendes Ansprechen

In die Phase-I-Studie inMMyCAR konnten Patientinnen und Patienten mit RRMM im guten Allgemeinzustand eingeschlossen werden, die mindestens drei Vortherapien erhalten hatten, darunter einen Proteasom-Inhibitor, einen immunmodulierenden Wirkstoff (IMiD) und einen monoklonalen Anti-CD38-Antikörper [1]. Die vier Studienteilnehmenden, über die im Rahmen des ASH 2025 berichtet wurde, wiesen eine Hochrisiko-Zytogenetik auf, hatten drei bis vier vorherige Therapielinien erhalten und waren therapienaiv gegenüber BCMA-gerichteten Therapien.

Alle vier Patientinnen und Patienten erreichten innerhalb von einem Monat MRD (Minimal residual disease)-Negativität bei schneller Suppression der Leichtketten. Außerdem erreichten alle im ersten Monat eine partielle Remission (PR) nach den Kriterien der International Myeloma Working Group (IMWG), die sich im Laufe der Zeit vertiefte; das beste Ergebnis war eine Komplettremission im fünften Monat nach der In-vivo-CAR-T-Zelltherapie. Bislang trat in keinem Fall eine Krankheitsprogression auf.

Dabei erwies sich das Nebenwirkungsprofil von KLN-1010 als günstig, es trat lediglich in einem Fall ein Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) vom Grad 1/2 ohne auf. Schwere Neurotoxizitäten oder relevante Hämatotoxizitäten wurden nicht registriert [1]. Auch wenn diese Daten vorläufig sind, so können die Studienergebnisse, die berechtigterweise in der Late-Breaking-Abstract-Session vorgestellt wurden, als wegweisend für die Therapie des RRMM angesehen werden.

Weiterführender Hinweis
  • [1] Harrison S et al. Minimal residual disease (MRD)-negative outcomes following a novel, in vivo gene therapy generating anti–B-cell maturation antigen (BCMA) chimeric antigen receptor (CAR)-T cells in patients with relapsed and refractory multiple myeloma (RRMM): Preliminary results from inMMyCAR, the first-in-human phase 1 study of KLN-1010. Blood 2025; 146 (Suppl 2): LBA–1. doi.org/10.1182/blood-2025-LBA-1

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